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06.12.06 KOLUMNE: 9mm Mittagspausenphilosophie - Teil 6
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Geschrieben von Genom   
Mittwoch, 6. Dezember 2006

Meet - Mett - Metwoch

Die Planung stand schon seit ungefähr einer Woche: die Ausführung eines Metwochs. Die Idee, Treffen, Bier und Met trinken und dazu ein gutes Mettbrötchen, dies gekrönt mit guter Musik und alles ist gut.
Die kleine Privatfeier war natürlich ein voller Erfolg, auch wenn ich mein Bier aus einer Milchflasche trinken musste, weil wir nicht genügend Gläser hatten, war alles geil (hier ein kleiner Tipp: Bananenmilch mit Bier und einem Schuss Met zum abrunden schmeckt echt geil).

Doch vielmehr „Spaß“ als der Abend hat mir der Tag in der Berufsschule bereitet. Ein Abgesandter der Gideon Institution kam zu uns in den Unterricht, um uns kostenlos das Neue Testament andrehen zu können. Wer mich kennt, der weiß, dass ich so etwas nicht ohne Gegenwehr über mich ergehen lasse. Ich bin der Meinung, es kann jeder seinen Glauben haben, aber sollte mich dann doch bitte in Frieden lassen.

Nun ja, es war von der Schulleitung genehmigt, und der „Vertreter Gottes“ sollte uns dann in unserer Ethikstunde aufsuchen - da sträubten sich mir die Haare. Wenn ich diese göttliche Propaganda hätte hören wollen, wäre ich in den Religionsunterricht gegangen. Was sollte dies also? Warum wird mir erst die Wahl überlassen und am Ende werde ich dann aber doch mit diesem religiösen Ejakulat, auf das sich so viele Menschen täglich einen runterholen, belästigt? Diese Frage konnte mir meine Lehrerin nicht beantworten. Sie verstand zwar meinen Standpunkt, versuchte mir aber klar zu machen, dass es rechtlich vollkommen in Ordnung wäre, dass der Gideon-Vertreter kommen würde.
Es dauerte auch nicht lange, da trat auch schon ein Mann im höheren Alter in den Klassenraum und erzählte erst einmal über diese Institution, wann sie gegründet wurde und so weiter. Bis dahin vollkommen legitim und informativ. Doch als er dann anfangen wollte aus diesem Buch vorzutragen, stoppte ich den ganzen Prozess ab. So bombardierte ich den göttlichen Staubsaugervertreter also mit meinen Fragen mit sarkastischem Unterton, welchen er nicht wirklich verstand. Übertreibungen, wie bei meiner Aussage „Wenn ich hier etwas von der COS verteilen würde, würde man mich sofort ans Kreuz nageln“ konnte er absolut nicht folgen. Er fing an darüber zu reden, dass die Menschen alle Sünder seien und sich nicht vom Satan beeinflussen lassen sollten. Dann fragte ich ihn erst mal was denn Satan sei? „Das Böse, das die Menschen beeinflusst.“, antwortete er. Er sagte, dass in der Bibel eine Antwort auf alles zu finden sei. Meine Antwort: „Na dann her mit den Lottozahlen!“
Dann fragte ich ihn, warum er denn in einem Buch um Rat suche das von Menschen geschrieben wurde? Und er meinte, dass Gott mit ihm sprechen würde und dass er frei wäre. Wenn er Probleme hätte, dann würde Gott ihm den Weg weisen, ob mit Zeichen oder mit einem Rat eines guten Freundes. Zuerst fragte ich ihn, ob er dann ‚110-Gott’ anrufen würde? Dann jedoch fragte ich ihn, warum er denn meinte, er sei frei, wenn er nur auf Gottes Worte hin agieren würde? Er würde sich doch damit nur unterwerfen und abhängig machen. Da zitierte er wieder ein knalliges Sprüchchen aus seinem Taschenbuch, welches man, anstatt seiner Erläuterungen, ebenso gut mit dem Wort „Bockwurst“ hätte erklären können. Er sagte „Wir sind Gottes Hände und Füße“. Da versuchte ich ihm zu erklären, dass eine Hand immer auf denjenigen hört, an dem sie hängt. Als ich ihn fragte, ob seine Hand machen würde, was sie wollte, sagte er „Natürlich tut sie das nicht.“
Er war absolut nicht fähig eine Einsicht zu bekommen. Mir schien, als wäre er in seiner eigenen Traumwelt gefangen. Er sagte dann: „Man muss alle Menschen lieben“. Da fragte ich ihn, ob er Kinder habe? Er sagte „Ja, vier Töchter“. Dann fragte ich ihn „Was wäre denn, wenn eine seiner Töchter vergewaltigt und umgebracht werden würde… ob er den Menschen, der diese Schandtat vollbrächte, dann immer noch lieben würde?“. Da schluckte er erst einmal und wusste nicht, was er sagen sollte. Dann antwortete er: „Die Menschen, die vom Teufel besessen seien, denen müsste man den besagten austreiben, um sie wieder zu einem richtigen Menschen zu machen.“
Ab diesem Punkt war es bei mir vorbei.
Er hielt Teufelsaustreibungen für legitim und entschuldigte diese dann noch damit, dass ja sehr viele ihr Leben für den Glauben gelassen hätten. Daraufhin sagte ich zu ihm, ob er denn wüsste „dass zu Zeiten der Kreuzzüge mehr Menschen an Greueltaten starben, als im Dritten Reich“? Daraufhin sagte er nur: „Im Dritten Reich ließen so viele ihr Leben für den Glauben.“. Darauf ich: „Die Christen haben auch einiges gutzumachen.“
Ich bat ihn schon von Anfang an zu gehen, da ich es respektlos finde, Schüler, die von sich aus den Ethikunterricht belegt haben, dann dennoch mit diesem Mist zu belästigen. Ich fand es so unverschämt. Er meinte nur, er mache das aus freien Stücken und ohne dafür Geld zu bekommen, und er wolle ja den Menschen Gott nahe bringen. Ich: „Moment mal, sie fahren von Ort zu Ort, reden mit den Leuten an der Tür und möchten, dass die Menschen so eine Bibel annehmen. Also sind sie eine Art Staubsaugervertreter. Sie machen Werbung. Hat es denn ihr Gott so nötig, dass sie Werbung für ihn machen müssen? Ist Jehova so am Ende?“ Darauf hin er: „Dass wir an Jehova glauben, ist gar nicht wahr. Das ist nur ein Fehler in der Übersetzung“ Und wieder war ich perplex. Ich versuchte ihn darauf hinzuweisen, dass er an den gleichen Gott glaube, wie die Juden und die Moslems.“
Die Frage, warum er an Jehova glaube und nicht an ältere Götter, wie zum Beispiel den Gott der Babylonier, verstand er gleich gar nicht und konnte darauf auch nicht eingehen. Ihm fehlte schlicht das Wissen. Er stritt dies aufs Schärfste ab. Geschichte schien wohl nicht „Seines“ zu sein.
So verurteilte er erst einmal wieder die Sünden und sagte, man solle sich nicht den Versuchungen hingeben. Und ich sagte zu ihm wieder: „Aber wenn sie das wollen, dann ist es so, dann müssen sie sich doch nicht unterwerfen, wenn sie doch angeblich frei sind. Das wäre, wie wenn ich mit verbundenen Augen sagen würde ‚Ich bin frei!’ und würde währenddessen die Arme ausstrecken und mir Handschellen anlegen lassen.“
Nach einigen Wortwechseln mehr per Philosophie (der er nicht gerade mächtig war, beschränkt auf nur ein literarisches Werk, und in meinen Augen nicht einmal ein gutes.), war er dann so weit, dass er auf meine Aussage „Ihr Glaube ist doch Blödsinn“ hin sagte: „Ja es ist halt so.“. Das fand ich nun wieder amüsant. Dann sagte ich zu ihm: „Wissen sie was, sie machen sich hier lächerlich. Sie stehen hier ohne Unterhosen da, weil sie einfach keinen Plan haben und nur aus ihrem Propagandamaterial vorlesen können, aber selber keine Meinung haben.“. Und dann erlaubte ich mir, seinen Vortrag mit den folgenden Worten komplett abzuwürgen: „So, ich setze jetzt hier den Schluss, denn sie würden hier nur noch irgendeinen Satz in den Raum werfen, von wegen man solle nicht sündigen... bla bla fucking bla.“. Also legte ich ihm nahe, sich einmal tiefe Gedanken darüber zu machen, wie er sich heute nur so lächerlich machen konnte und keine Ahnung von gar nichts hatte.
Dann drehte er die Runde und fragte jeden, ob er/sie ein Buch haben wolle. Keiner wollte eines.
Tja, Märchenbücher gibt es auch mit Bildern, das muss der Kirchenrat wohl erst noch lernen. Die Konkurrenz ist groß. Alle geistigen Ergüsse, die er wiedergab, bekomme ich leider nicht mehr zusammen, es war in dem Moment einfach zu lustig.
Er versuchte aber dennoch, bevor er die Tür verließ, einen schlauen und ach so weisen Spruch abzulassen, welchen ich sofort abwürgte mit: „Dort ist die Tür. Denken sie mal drüber nach. Ach und noch etwas: sie sollten sich einen religiösen Gürtel besorgen, damit sie nicht mehr nackt dastehen.“
So endete eine Stunde, die wahrlich amüsant war.

Und der Oben genannte Metwoch konnte nun endlich richtig losgehen.

Ich möchte nur noch einmal darauf hinweisen, dass jeder seinen Glauben haben und damit glücklich werden soll. Aber man sollte doch immer bitte den Respekt und den Anstand haben, mir meinen Glauben auch zu lassen. Und das müssen viele noch lernen.
Denn ob nun Jude, Moslem, Buddhist, Hinduist, Christ oder Satanist… am Ende sind wir doch alle Menschen, die sich gegenseitig respektieren und achten sollten.

Genom

Von links nach rechts: Jan, Genom & Nils

Kommentar(e)
Geschrieben von s.pü am 2006-12-06 20:27:57
*gg  
christen die einem was erzählen wollen... 
das ist ja wie: "das gebot du sollst nicht tötet hat nur für das israelitische volk gegolten. deshalb waren die kreuzzüge in ihrer guten absicht auch möglich!" 
und dann: "ja die npd ist ja auch im deutschen bundestag" 
wahh -.-" sone XXX<--böses Wort 
^^ süßes bild *gg* 
Sei gegrüßt lieber Genom!
Geschrieben von aliénor am 2006-12-07 09:33:20
Ich danke dir für die gar köstliche kleine Unterhaltung inmitten eines wieder einmal nervenaufreibenden Schultages. Zum Glück habe ich weder Ethik noch Religion, da bleibt mir sowas erspart. Dass ich mit den Anhängern des christlichen Glaubens ebenfalls meine Probleme habe, weiß sicherlich jeder. Daher ist es für mich nur verständlich, dass du dich über diese Person sowohl amüsiert als auch echauffiert hast. 
 
Ich wünsche dir noch eine angenehme restliche Woche. 
 
Alienor
Geschrieben von masterlu am 2006-12-07 12:54:06
Soviel zur Trennung von Kirche und Staat. 
In einer christlichen oder durch andere religiöse Vereinigungen finanzierten Bildungseinrichtung muss man sicher mit derartigen Dingen rechnen und nimmt das auch bei der Entscheidung eine solche Einrichtung zu besuchen billigend in kauf. Aber bitte nicht in einer staatlichen Bildungsstätten. Religionsunterricht hat dort genauso wenig zu suchen wie ein Kreuz, ein Davidstern, ein Halbmond oder ein Buddha, ein Bild von Mao Zedong oder auch von Che Guevara. Ebenso wenig jegliche form von politischer Wertevermittlung. 
Soll wertfrei die Geschichte der Religionen vermittelt werden, dann gehört dies in den Geschichtsunterricht und von einem neutralen Pädagogen unterrichtet und nicht von einem Pfarrer, Priester oder sonstigen Geistlichen. Und die Betonung liegt auf wertfrei! 
Nicht minder heuchlerisch ist allerdings auch der Ethik-Unterricht. Wie verwirrt müssen Kinder und Jugendliche wohl sein, wenn sie in der Schule hole Phrasen über die Werte unserer Gesellschaft hören und ihnen das krasse Gegenteil schon beim verlassen des Klassenraumes mit voller Wucht ins Gesicht schlägt. 
Schlussendlich dient die Vermittlung solcher Inhalt immer nur der Verdummung und Unterdrückung und selbstständiges Denken zu unterbinden, um die Menschen innerhalb eine bestimmten Doktrin zu halten. 
Ein gutes Beispiel dafür ist, so glaube ich, der von vielen Menschen als Befreier von veralteten und korrupten Strukturen der katholischen Kirche betrachtete Herr Luther. 
Hielt er doch bis zu seinem Tode am dem Glauben fest, Kaiser, Könige und Fürsten hätten ihre Macht von Gott erhalten und alle Anderen wären ihnen nach Gottes Wille Untertan. 
Auf die Verdummung der Massen durch die Medien möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, da dies wohl den Rahmen sprengen würde, aber durchaus im Zusammenhang mit politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Interessensgruppen zu sehen ist. 
Geschrieben von inkognito am 2006-12-10 17:48:32
grüß dich, ich find es immer wieder lustig wenn gläubige menschen von freiheit reden, sind es doch die ersten die das staats projeckt "gläsener mensch" unterstützen. oder kurz gesagt ein Heroinsüchtiger erzählt wie sehr er sein Konsum unter Kontrolle hat :eek

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