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22.11.06 KOLUMNE: 9mm Mittagspausenphilosophie - Teil 4
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Geschrieben von Genom   
Mittwoch, 22. November 2006

Im Jahr

Die Tür sprang auf, da stand er wieder,
wie alle paar Tage, nur mit einem Slip bekleidet, im Winter.
Er war zwar jeden Tag bei ihr, doch nur zweimal pro Woche
war es ein besonderer Besuch für ihn.
Die modrige Kellerdecke hätte alle Schreie dämpfen können,
doch schreien hatte sie schon lange aufgegeben.
Er löste ihre Fesseln und zog ihr einziges Kleidungsstück,
ihr Nachthemd, nach oben,
ganz normal, wie alle paar Tage.

Die Tür öffnete sich, da stand er wieder,
wie alle paar Tage, mit Jeans und Blazer bekleidet, im Frühjahr.
Er ging zwar jeden Tag an dem Laden vorbei,
doch nur zweimal die Woche
war er im kleinen Laden in der Straße einkaufen.
Freundlich und zuvorkommend zu dem Verkäufer
und seinen betagten Kunden.
Erzählte gern über Beruf und Privatleben,
ging wie immer an die Kasse, bezahlte,
und verabschiedete sich nach einem kleinen Schwätzchen,
ganz normal, wie alle paar Tage.

Die Tür öffnete sich, da stand er wieder,
wie jeden Tag, mit Anzug und Hut bekleidet, im Sommer,
Er war gern gesehen hier, bei seinen Kollegen beliebt,
immer zum spaßen aufgelegt, nichts Besonderes,
ein Tag unter vielen im Jahr.
Es roch nach Kaffee, und unter blassen Neonröhren verrichtete er seine Arbeit,
danach um viertel fünf, verabschiedete er sich von seinen Kollegen
und machte sich auf den Heimweg, immer um viertel fünf um seinen
Bus zu erwischen. Ganz normal, wie jeden Tag.

Die Tür ging auf, da stand er wieder,
zum dritten Prozesstag, in Schwarz und ohne Mimik, im Herbst.
Es war ein besonderer Tag, wie die letzten zwei Tage zuvor,
denn ihm den Prozess zu machen, das war schon etwas Besonderes.
Ohne jedes Wort folgten alle Beteiligten seinem kalten und brutalen Geständnis,
bei der Verkündung des Urteils blieb er ruhig und ohne Verzug seines Gesichtes,
dann wurde er abgeführt,
ganz normal, wie alle Verbrecher.

 

Stoßgebet

Wenn er von der Arbeit kommt,
sieht sie durch das Kellerloch.
War die Ruhe doch sehr gut,
hofft dass er bekommt heut keine Wut.
Sitzt sie weinend in dem Keller,
ihr Herz schlägt nun immer schneller.
Kommt ihr Vater wieder runter,
macht das arme Mädchen munter.

Er hält sie nur zum Vergnügen.
Bei der Mutter nur die Lügen.
Erzählt von Haus und Kinderlein.
Im Keller ist sie ganz allein.

Durch die Droge sie nun schläft,
in ihrem Traum ihr Stoßgebet.
Tropft das Wasser von der Wand,
durch die Luft wird sie schnell krank.
Will er ihr die Unschuld stehlen,
schüttelnd bis sie komm’, die Tränen.
Den Nektar von der Blüte leckt,
danach geht’s zurück ins Bett.

Ist die Nacht wieder vorbei.
--Nun das Nachtgebet.--
Schluckend sie das rohe Ei.
--Ist nur das Nachtgebet.--
Wenn der Vater bei ihr schläft.
--Zum guten Nachtgebet.--
Ihr auch der große Herr nicht hilft.
--Es wird zum Stoßgebet.--

Doch nach dem letzten Nachtgebet,
Das Mädchen in die Küche geht.
Greift sie in den Messerblock,
Nutzt das Werkzeug wie ein Pflock.

Genom

Kommentar(e)
Geschrieben von Silver am 2006-11-22 00:43:36
Diesmal bin ich die erste... 
Eine Wahnsinnskolumne hast du mir da zukommen lassen. Hab sehr geschluckt beim Lesen. Hatte wirklich nen riesen Kloß im Hals, denn genauso geschieht es, jeden Tag auf's Neue. Das geht mir wirklich nahe... !
Geschrieben von Genom am 2006-11-22 07:48:10
Die Geschichte stammt von der zeit kurz vorm WGT06, aber aus Aktuellen Anlass hab ich se mal wieder rausgekrahmt. 
 
Es gibt einen schon zu denken das solche Menschen immer wieder freikommen und immer niemand etwas mitbekommen hat, 
die Menschen sollten wieder anfangen mehr auf einander zu achten.
Geschrieben von FILOUkai am 2006-11-23 19:32:06
Hallo mein Bester. Mir ging deine Kolumne auch sehr nahe,weil ich ja auch eine kleine Tochter habe und hoffe das dies ihr nie wiederfahren wird.

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