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Offener Brief der LabelLos.de-Redaktion an die Organisatoren des Wave-Gotik-Treffens

18.06.2009


An die
Treffen & Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland mbH
Schulstraße 63
09125 Chemnitz



Sehr geehrte Damen und Herren, im Besonderen Herr Görnert, Herr Borges und Herr Schorler,


wir, die Redaktion von LabelLos.de, berichten regelmäßig über das Wave-Gotik-Treffen und sind seit vielen Jahren Fans und regelmäßige Besucher des Treffens (zum Teil schon seit 13 Jahren).
Da wir weder als Menschen noch als Redaktion gewillt sind rechtslastige, rassistische, nationalsozialistische oder diktatorische Strömungen in der Gesellschaft und im Besonderen auch in der Schwarzen Szene zu unterstützen und uns in diesem Jahr selbst in eine solche Ecke gedrängt sehen, möchten wir Sie bitten zu folgender Thematik eindeutig und öffentlich Stellung zu beziehen:
Die Obsorgekarte zeigte in diesem Jahr in der Iris des abgebildeten Auges eine so genannte "Schwarze Sonne", wie sie in dieser Form derjenigen entspricht, die in den Boden des Nordturms der Wewelsburg zur Zeit des Nationalsozialismus eingelassen wurde. Die "Schwarze Sonne" in dieser Form ist in der heutigen Zeit oftmals ein Erkennungszeichen rechtsextremer Kreise. Eine gegenteilige Deutung dieses Zeichens in historischem Sinne entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage, da sie in dieser eindeutigen Form mit genau zwölf Sigrunen vor der Nazizeit nicht belegbar auftauchte und sie nach heutigen Erkenntnissen in anderen Formen (z.B. als Sonnenrad) lediglich als Schmucksymbol diente.
Zusammen mit der erneuten Genehmigung eines Standes des Internetshops und Verlags "Verlag und Agentur Werner Symanek" (über den es schon seit Jahren Beschwerden gibt) brachte dies nicht nur uns, sondern einen großen Teil der WGT-Besucher-Gemeinde in große Gewissenskonflikte und das Fass zum überlaufen.

Mit der Verwendung der "Schwarzen Sonne" wurden auf dem WGT 2009 nach ihren Angaben ca. 7000 Obsorgekartenbesitzer (siehe ihr Schreiben an die Band ASP vom 16.06.09) mit rechtslastigen/-extremen und neuvölkischen Kreisen in Verbindung gebracht, obwohl sie lediglich Eintritts- und Obsorgekarten für ein unpolitisches Treffen erworben hatten. Ihre in genanntem Schreiben vorgelegte Erklärung konnte diese Einschätzung leider nicht zerstreuen, da die von Ihnen angeführte Begründung, es handele sich um "ein uraltes Symbol der Sonnenfinsternis, von den Germanen als 'Inneres Licht', das Licht der Erkenntnis, der Erleuchtung, der Knospung etc. verehrt" (siehe ihr Schreiben an die Band ASP vom 16.06.09) in keiner Weise wissenschaftlich belegbar scheint. Selbst im Falle eines wissenschaftlichen Beweises für Ihre These dürfte gerade in unserer Gesellschaft die heutige Verwendung als Erkennungssymbol unter Rechtsextremen und Neo-Nazis wesentlich schwerer wiegen und es scheint keinesfalls gerechtfertigt, auf so leichtfertige Art und Weise mit derartigen Symbolen umzugehen.

Dass ihre Ausführungen in ihrem Schreiben an die Band ASP nicht den von Ihnen gewünschten Frieden zurück in die Szene brachten, hätten Sie bei Ihrer Wortwahl ahnen können und somit auch, dass weitere Diskussionen nicht ausbleiben. Dass derartige Diskussionen im Internetforum des Wave-Gotik-Treffens durch vollständige Löschung der entsprechenden Threads und das Verbot jeglicher politischer Themen von Ihnen erstickt wurden, sehen wir als einen Affront gegen die Meinungsfreiheit und dieser stützt die Relevanz der oben geübten Kritik. Mit solchen Aktionen diskreditieren Sie nicht nur das Wave-Gotik-Treffen und dessen Besucher, sondern auch sich selbst in ihrer Funktion als Kulturschaffende in einem demokratischen Staat.

Wir bitten Sie um Antwort auf folgende Frage:
Welche genaue Intention Ihrerseits steht hinter der Verwendung der "Schwarzen Sonne" und - sollte sie sich aus Unwissenheit ihrerseits auf der Obsorgekarte befinden - wer hat dies zu verantworten?

Wir wünschen hiermit eine öffentliche Distanzierung des WGT von rechtsextremen und rassistischen Kreisen und die Aufklärung dieses Fauxpas ohne schwammige Erklärungen und fadenscheinige Ausreden. Dies sollte für eine Veranstaltung in dieser Größenordnung und mit so erfahrenen Mitarbeitern eigentlich kein Problem darstellen und eine Selbstverständlichkeit für freiheitlich orientierte, demokratische Kulturschaffende sein!
Auch sollten in Zukunft kritische Diskussionen im WGT-Forum wieder ermöglicht werden, denn das WGT ist vor allem durch seine Besucher zu dem geworden, was es ist. Und diese mundtot machen zu wollen und Kritik einfach nur von sich zu weisen, könnte der Anfang vom Ende sein.



Mit besten Grüßen,
die LabelLos.de-Redaktion

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News zum Thema:
20.07.09 Das WGT, die Politik und der Umgang mit der Öffentlichkeit - Ein Zwischenstand
16.01.10 Das WGT oder: Kommunikation in eine Richtung nennt man unidirektional

Alle Infos zusammengefasst unter:
Festival-Page zum Wave-Gotik-Treffen 2010